Daten
1. Grundsätzliches zu den Daten
Vollständigkeit und Aktualität der Personendaten
Das Ziel dieser Pilotphase war die Überführung und Aufbereitung der Leopold- und Access-Datensätze in die APIS-Infrastruktur. Auf eine Aktualisierung der erfassten Daten um Informationen aus der Sekundärliteratur musste weitestgehend aufgrund der zeitlichen Begrenzung des Pilotprojektes auf 2,5 bzw. 3 Jahre verzichtet werden.
Personenkreis der Datensätze
Prosopographie bedeutet, Personendaten über die systematische Auswertung von historischen Quellen zu sammeln, um ein möglichst vollständiges Bild einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zu bekommen. Während der Leopold-Datensatz nahezu das Gesamtpersonal des Wiener Hofes der Regierungszeit von Kaiser Leopold I. (1657–1705) erfasste, fokussiert sich der Access-Datensatz auf das Gesamtpersonal der Wiener Hofstaate zwischen 1711 und 1806, die Datenneuaufnahme hingegen auf den Zeitraum von 1807 bis 1835.
Begrifflichkeiten Wiener Hofstaat und Wiener Hof
Der Begriff des „Wiener Hofstaats“ bezeichnet die Gesamtheit des Hofpersonals, das für die persönliche Versorgung des Herrschers/der Herrscherin („Haupthofstaat“) oder eines seiner Familienmitglieder („Teilhofstaat“) zuständig war. Hierzu werden alle weiblichen und männlichen Funktionsträger gezählt, die zum einen unabhängig von ihrer Besoldung eine Funktion im Haushalt der Herrscherfamilien innehatten. Diese Funktion musste zum anderen in der höfischen Ämterstruktur der obersten Hofämter verortet werden können. Die Summe des Hofpersonals von Haupt- und Teilhofstaaten der Kaiser, der Kaiserinnen, der Kaiserinwitwen, der Kaiserkinder und anderer Verwandter macht die Gesamtheit des Wiener Hofpersonals bzw. des Wiener Hofstaats aus.
Der Begriff des „Wiener Hofes“ ist im Hinblick auf seinen Aufgabenbereich und Personenkreis weiter gefasst, da es außer der Gesamtheit des Hofpersonals (= Wiener Hofstaat) auch das diplomatische, militärische und administrative Personal umfasst. Der Wiener Hof bzw. die Wiener Hofgesellschaft kam den Bedürfnissen des fürstlichen Haushaltes nach (Versorgungsfunktion) und hatte eine politisch administrative Aufgabe (Verwaltungs- und Regierungsfunktion) und eine ökonomisch-kulturelle Rolle (Repräsentationsfunktion) zu erfüllen.
In VieCPro gründet sich ein Bezug zum Wiener Hof nicht nur in der Ausübung einer Hoffunktion, sondern auch über verwandtschaftliche Beziehungen zu Funktionsträger:innen und/oder monetäre Bezüge aus der Wiener Hofkammer.
Vereinheitlichungen in den Datensätzen
Personennamen, Funktionsbezeichnungen und Institutionsbezeichnungen wurden unter Berücksichtigung der zeitgenössisch jeweils vorherrschenden Variante bei gleichzeitiger Dokumentation alternativer Schreibweisen vereinheitlicht (➔ Funktionsregister [in Arbeit]).
Deduplizierung und Merging
Der Leopold-Datensatz wurde im Wesentlichen aus drei verschiedenen Ressourcen – Hofzahlamtsbüchern, Hofstaatsverzeichnissen und Trauungsmatriken / Totenbeschauprotokollen – generiert, in denen viele Doubletten existieren. Im Prozess der Deduplizierung galt das Vorsichtsprinzip. Falls aufgrund unzureichender Datenlage keine eindeutige Entscheidung zugunsten einer Zusammenführung getroffen werden konnte, wurden Personen nicht gemergt. Stattdessen wurde zwischen beiden Personendatenblättern potenzielle VieCPro-Doubletten ausgewiesen.
Hierarchisierungen
Die in dieser Datenbank angelegte Hierarchisierung kann aufgrund der Natur schematischer Darstellungen allzu oft nur unzulänglich die Feinheiten des institutionellen und auch persönlichen Miteinanders abbilden. Es ist auch ein Charakteristikum frühneuzeitlicher Organisationsstrukturen, dass die Zuständigkeiten nicht immer eindeutig und nachhaltig geklärt waren.
Manuelle LOD-Verlinkung
Aufgrund weitestgehenden Fehlens von Lebensdaten war ein automatisierter Abgleich der VieCPro-Personendaten mit existierenden LOD-Ressourcen wie GND, Wikidata, Kaiser und Höfe (München) nicht möglich. Stattdessen wurden bislang LOD-Referenzen zu 690 Personen in leitenden Funktionen manuell recherchiert und in VieCPro angelegt. Im Zuge fortschreitender redaktioneller Arbeit werden weitere LOD-Referenzen eingespeist.
Gendern & Diskriminierung
Für jede Funktionsbezeichnung – sofern es einen weiblichen und männlichen Funktionsträger gab – werden geschlechtsspezifische Bezeichnungen verwendet. Heute negativ konnotierte Funktionsbezeichnungen wie Zwerg, Hofjude, Kammermensch, Extraweib etc. sind in ihrem historischen Verwendungskontext ohne modernes Äquivalent zu sehen.
2. Bearbeitungsstand
Folgende Tabelle gibt einen Überblick über Quellen, Personenkreis und Umfang wie auch den Bearbeitungsstand zum jeweiligen Ende der beiden Pilotprojekte:
coming soon
3. Zur Provenienz unserer Daten
Basis von VieCPro (2020–2024) sind zwei bereits existierende Datensammlungen sowie zwei neue Datensätze:
- die teilstrukturierten Daten zum Hof Leopolds I. aus dem FWF-Projekt Die Wiener Hofgesellschaft unter Kaiser Leopold I. (1657–1705) unter Leitung von Leopold Auer und in der chronologischen Folge ihrer Beteiligung Sigrid Freisleben, Johannes Werfring, Ulrike Denk und Katharina Arnegger (2001–2005), sog. Leopold-Daten
- die strukturierten Daten zu den Hofstaaten Karls VI., Maria Theresias, Josephs II., Leopold II. und Franz II. (I.) aus dem FWF-Projekt Personal und Organisation des Wiener Hofes 1711–1806 unter Leitung von Martin Scheutz und Mitarbeit von Irene Kubiska-Scharl und Michael Pölzl (2011–2016), sog. Access-Daten
- die manuelle Einspeisung des Hofpersonals unter Franz II. (I.) für die Jahre zwischen 1807 und 1835 im Rahmen des FWF-Projektes Der Wiener Hof um 1800: Eliten, Herrschaft und Repräsentation (1790–1835) unter Leitung von Katrin Keller und unter Mitarbeit von Christian Standhartinger und Markus Jeitler (2020–2023), sog. Datenneuaufnahme
- das VieCPro-Team hat begonnen, den „geerbten“ Literatur- und Quellenbestand im Zuge der Datenkuratierung durch die Verwendung aktueller Literatur zu erweitern. Hierbei kann allerdings kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden. Ausgehend vom Recherche-gegenstand wurde auf Werke der Sekundärliteratur , Nachschlagewerke oder auch genealogische Datenbanken zurückgegriffen, um Einträge zu Personen, Institutionen oder Orten zu ergänzen. Sog. redaktionelle Ergänzungen von Personen, Institutionen, Orten
4. Gesamtüberblick zu den drei Datensammlungen
Datensatz 1: Der Wiener Hof unter Kaiser Leopold I. (1657–1705), sog. Leopold-Daten
Das Team unter Leitung von Leopold Auer hat die Daten zum Wiener Hof in der Zeit von Kaiser Leopold I. im Wesentlichen aus den Hofstaatsverzeichnissen (HSV), den Hofzahlamtsbüchern (HZAB), den Instruktionen und den Trauungsmatriken und Totenbeschauprotokollen (TM-TBP) des Österreichischen Staatsarchivs (ÖStA), des Wiener Stadt- und Landesarchivs, der Archive der Pfarreien St. Stephan und St. Michael, des Sächsischen Hauptstaatsarchivs und der Landesbibliothek Coburg gesammelt.
Der erfasste Personenkreis des Leopold-Datensatzes umfasst zwei Gruppen mit unterschiedlichen Graden der Vollständigkeit:
Gruppe 1: Wiener Hofpersonal – Personen, die in ihrer Funktion direkt den obersten Hofämtern des Wiener Hofes zugehörig sind. Neben dem Haupthofstaat von Kaiser Leopold I. sind die Teilhofstaate seiner drei Ehefrauen und ihrer Kinder, der Kaiserinwitwe Eleonora Gonzaga-Nevers wie auch ihrer (Stief-)Kinder und seines Onkels Leopold Wilhelm erfasst.
Gruppe 2: Wiener Hofgesellschaft – Der Personenstand greift in die Organisationsstruktur des weitläufigen Verwaltungswesens, Finanzwesens, Gesandtschaftswesens, Kriegswesens und des Kulturbereiches der Habsburgermonarchie und des Alten Reiches. So werden selektiv Funktionsträger:innen auf Ebene der Zentralbehörden des Reiches und der Habsburgermonarchie, der ständischen Landesverwaltung der Habsburgermonarchie, der städtischen Verwaltungsbehörden und primären Institutionen zur Armen-, Alten- und Krankenversorgung, der frühneuzeitlichen Spitäler und Zuchthäuser und frühneuzeitlichen Universitäten erfasst.
Der Leopold-Datensatz umfasst 48.000 Zeilen teilstrukturierter Personendaten zu Funktionsträgern beiderlei Geschlechts, verschiedener sozialer Schichten – vom Kammerweib bis zum Obersthofmarschall, vom Kanzlist bis zum Hofkriegsratspräsidenten – wie auch unterschiedlicher lokaler und (inter-)nationaler Herkunft. Es wurden für jede Person – sofern bekannt – Funktion, Verwandtschaftsverhältnisse und soziales Netzwerk, Hofzugehörigkeit, Zahlungen, Ämter, Wohnorte etc. dokumentiert.
Während Gruppe 1 als nahezu vollständig betrachtet werden kann, liegen die Funktionsträger*innen der Gruppe 2 selektiver vor.
Nach Abschluss des Projektes 2005 wurden die dokumentierten Daten in drei Excel-Blättern zum jeweiligen Quellenbestand (HZAB, HSV und TM-TBP) sowie einem Excel-Blatt mit einem Überblick zum Personal der Hofkammer auf der Website des Österreichischen Staatsarchivs zum Herunterladen zur Verfügung gestellt (➔ Materialien).
Die Herausforderungen an das VieCPro-Team bei Überführung und Aufbereitung des Datensatzes in die APIS-Datenbank und die Bewältigungsstrategie waren im Wesentlichen:
- Große Menge an teilstrukturierten Datensätze (HZAB, HSV, TM-TBP) und Doubletten ➔ Fokus auf die ersten beiden Datenblätter und Entwicklung eines Tools zur Deduplizierung und Mergen der Personendatensätze [Import TM-TBP in Arbeit].
- Uneinheitliche Schreibweisen und Leseschwierigkeiten durch fehlende Dokumentation des ursprünglichen Leopold-Projektes ➔ Syntaktische Analyse der Originaldatenblätter vor dem Import, anschließende manuelle kontinuierliche Nachbearbeitung des Imports wie auch stichprobenartige Überprüfung ausgewerteter Quellen
- Komplexität der Informationen (Hof- u. Verwaltungsstruktur, Funktions- und Institutionsbezeichnungen, etc.) ➔ systematische Vereinheitlichung von 2.577 Funktionsbezeichnungen auf 2.203 und 928 Institutionen auf 863; Kategorisierung und organisationsgeschichtliche Hierarchisierung der letztgenannten Entitäten und 229 Hofstaate. Dies ging einher mit einer extensiven Recherche zu Funktionsdefinitionen wie auch zur Organisationsgeschichte von Hof und Verwaltung der Habsburgermonarchie.
- Kommentierung der erfassten Daten (Relativierung von Zeitangaben, Zusätze aus den Quellen wie Todesursachen, Zahlungsgrund) ➔ Implementierung eines ausgeklügelten Abkürzungssystems zur Unterscheidung von sicheren und unsicheren Zeitangaben [in Arbeit].
- Kompilierte Daten zu einer Person aus verschiedenen Quellen in einer Zelle. Mit Ausnahme des HZAB-Blattes ist eine 1:1 Rückführung der Informationen zu einer Quelle nicht mehr möglich ➔ Ausgabe eines zusammengefassten Quellenzitates mit Ausnahme des HZAB. Hier Rückführung des Quellenzitats in das Kategorie-Schema des HZAB über die Seitenzahl [in Arbeit].
- Unvollständige oder widersprechende Daten wie fehlende Hofstaatszugehörigkeiten, Funktionszeiträume ➔ Hermeneutisches Zusammenlesen vorhandenen Informationen im Zuge des Mergings, selektive weiterführende Recherchen und Kenntlichmachen von Lücken für die Benutzer*innen [in Arbeit].
Datensatz 2: Der Wiener Hof im 18. Jahrhundert, sog. Access-Daten
Der zweite Datensatz umfasst die Daten von 6.188 Hofangehörigen, die von Irene Kubiska-Scharl und Michael Pölzl im Rahmen des von Martin Scheutz geleiteten Projektes in einer relationalen Datenbank (MS Access) strukturiert erfasst wurden. Bislang wurden die Daten zum Hofpersonal zwischen 1711 und 1792 in zwei Bänden 2013 und 2018 publiziert:
- Kubiska-Scharl, Irene, Pölzl, Michael: Die Karrieren des Wiener Hofpersonals 1711 – 1765. Eine Darstellung anhand der Hofkalender und Hofparteienprotokolle, Innsbruck–Wien–Bozen 2013 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 58)
- Kubiska-Scharl, Irene, Pölzl, Michael: Das Ringen um Reformen. Der Wiener Hof und sein Personal im Wandel (1766–1792), Innsbruck-Wien-Bozen 2018 (Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs, 60).
Als Quellenbasis dienten im Wesentlichen die kaiserlichen Hof- und Ehrenkalender und Schematismen und für die Überlieferungslücken der Jahre 1711 bis 1714 und 1741 bis 1744 die Hofparteienprotokolle und Akten der Hofstaatsverwaltung im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Die Natur der Quellenbasis ergab, dass der erfasste Personenkreis weitaus kleiner als der des Leopold-Projektes ist. Der Fokus lag überwiegend auf dem Wiener Hofstaat.
Des Weiteren werden zum einen etwa ein Drittel der „Funktionsträger, vor allem der unteren Ränge, […] im Hofkalender nicht namentlich, sondern nur summarisch erwähnt“ (Kubiska-Scharl/Pölzl 2013, 297). Dies führt dazu, dass in VieCPro für den Zeitraum 1711-1806 die niedere Ebene des Hofpersonals weniger gut dokumentiert ist. Zum anderen sind kaum Angaben zu Gehalt oder Verwandtschaftsbeziehungen enthalten. Die Personenangaben umfassen Vor- und Nachnamen, Ehrentitel, militärische Ränge, Informationen zum Personenstand ebenso wie Angaben zu Standeserhebungen, Tätigkeitsorte, ausgeübte Funktionen, Hofstaatzugehörigkeiten und Beschäftigungsdauern.
Die Herausforderungen an das VieCPro-Team bei Überführung und Aufbereitung des Datensatzes in die APIS-Datenbank und die Bewältigungsstrategie waren im Wesentlichen:
- Große Menge an Funktionsschreibweisen, die von den Leopold-Daten abwichen. ➔ Anpassung der Funktionsschreibweisen an die für die Leopold-Daten bereits etablierten Bezeichnungen im Zuge des Imports.
- Sämtliche Institutionen (mit Ausnahme der Obersten Hofämter) waren keine eigenen Entitäten, sondern Teil der Funktionsbezeichnung (Erster Amtsschreiber im Hofbauamt). ➔ Auslesung der in den Funktionsbezeichnungen vorkommenden Institutionen und Import derselben als Entitäten.
- Abweichende Bezeichnungen für Oberste Hofämter (in Access „Stäbe“) und geringer Grad an Differenzierung. ➔ Anpassung an die bereits etablierten Bezeichnungen, Hierarchisierung der Hofstaaten und Institutionen, Kategorisierung der Hofstaaten in regierende Fürsten, Erzherzöge und Erzherzoginnen, Junge Herrschaften etc.
- Heterogenität von unstrukturierten Zusatzinformationen in den Bemerkungsfeldern der Personenblätter. ➔ Strukturierte Auswertung von Informationen aus den Bemerkungsfeldern (Lebensdaten, Funktionen, Funktionszusätze, Aufenthaltsorte) teilweise schon beim Import, manuelle Nachstrukturierung im Zuge mehrerer Korrekturläufe.
- Auch der Import von strukturierten Daten ist fehleranfällig. ➔ Vorwegnahme von ‚geplanten‘ Fehlern für den Import und manuelle Korrektur durch dasVieCPro-Team.
Datensatz 3: Der Hof von Franz II./I., sog. Datenneuaufnahme
Der dritte Datensatz wird in einem Teilprojekt des FWF-Projektes Der Wiener Hof um 1800: Eliten, Herrschaft und Repräsentation (1790–1835) unter Leitung von Katrin Keller durch Christian Standhartinger erhoben. Der Fokus liegt auf der Vervollständigung von unpublizierten Datensätzen des Scheutz-Projektes zum Hofstaat von Franz II. sowie deren Erweiterung bis zum Jahr 1835.
Als Quellenbasis dienen hierbei vorwiegend die Hof- und Staatsschematismen (Staatshandbücher) der Jahre 1807 bis 1835. Die kriegsbedingten Überlieferungslücken der Jahre 1809, 1810 und 1815 werden hierbei nicht durch die Auswertung zusätzlicher Quellen geschlossen. Einzelne Personendatenblätter, insbesondere die Träger hoher Hoffunktionen, werden hingegen durch biographische Lexika und einschlägige Werke der Sekundärliteratur erweitert.
Erfasst werden sämtliche Personen, die in den Hofschematismen einem der kaiserlichen Obersten Hofämter oder dem Hofstaat eines anderen Familienmitglieds, sofern sich dieses dauerhaft in Wien aufhielt, zugeteilt waren. Zusätzlich wird auch die Erfassung sämtlicher Geheimer Räte, Kämmerer, Palastdamen sowie der Träger und Trägerinnen der in den Hofschematismen aufgelisteten Orden angestrebt. Sämtliche Zusatzinformationen, die in den Hofschematismen neben der eigentlichen Hoffunktion angegeben sind, werden strukturiert mitaufgenommen. Dazu zählen Ordensverleihungen, nicht-höfische Ämter und Würden, militärische Ränge sowie Wohnadressen.
Die Herausforderungen an das VieCPro-Team bei Überführung und Aufbereitung des Datensatzes in die APIS-Datenbank und die Bewältigungsstrategie waren im Wesentlichen:
- Wechselnde Ämterhierarchie und Zuordnung von Funktionen zu bestimmten Ämtern in den Schematismen. ➔ Durchsicht mehrerer aufeinander folgender Schematismen, um Entscheidungen bezüglich Ämterhierarchie und Funktionszuordnungen zu treffen.
- Überlieferungslücken in den Jahren 1809, 1810, 1815. ➔ Relativierende Zusätze bei Laufzeiten von Funktionen, die vor diesen Jahren zum letzten Mal oder nach diesen Jahren zum ersten Mal erwähnt werden.
- Große Zahl von summarischen Personalauflistungen ohne Möglichkeit zur Identifizierung. ➔ Einspeisung und Sammlung des summarischen Personals in eigens dafür angelegten, hofstaatsspezifischen Personenblättern.
- Uneinheitliche Angabe von Wohnadressen (Vorstadt + Konskriptionsnummer, Straßenname + Konskritpionsnummer). ➔ Identifizierung der Straßen und Deduplizierung der Wohnadressen anhand der zeitgenössischen Häuserschematismen.
- Funktionsbezeichnungen, die von den bereits etablierten Bezeichnungen abweichen, aber synonym sind. ➔ Laufende Mitschrift synonymer Bezeichnungen, die später in das Funktionsregister eingespeist werden.
- Unsicherheiten bei der Identifizierung von Personen, die gängige Namen tragen, Gefahr der Duplizierung von Personen. ➔ Anlegen von Relationen zwischen Personen, die möglicherweise Doubletten sind.
5. VieCPro-Workflow (09/2020 – 06/2024)
Projektjahr (09/20 – 09/21)
- Analyse der Leopold- und Access-Datensätze hinsichtlich ihrer Zusammensetzung, ihres Aufbaus, wie auch ihres Inhalts und Vorbereitung für den Import
- Import der Datensätze mit besonderem Fokus auf die Informationen zum beruflichen Werdegang der Personen (Person-Institution-Relationen)
- Erste manuelle Nachkorrektur der importierten Datensätze aufgrund von Importfehlern durch uneinheitliche Schreibweisen, der z. T. unvollständigen Erfassung der in dem Leopold-Datensatz zusammengestellten Daten und Lese-/Interpretationsschwierigkeiten durch unvollständige Dokumentation der Erfassungsrichtlinien des Leopold-Projektes
Projektjahr (10/21 – 09/22)
- Vereinheitlichung und Systematisierung von Funktionsbezeichnungen (Reduzierung von 2.577 auf 2.203) und Institutionsbezeichnungen (von 928 auf 863).
- Kategorisierung der Funktionsbezeichnungen und Institutionen sowie deren organisationsgeschichtliche Hierarchisierung, weitestgehend basierend auf den Angaben der Verwaltungsgeschichte der Habsburgermonarchie in der Frühen Neuzeit. 2 Bände, hg. von Michael Hochedlinger, Petr Mat‘a, Thomas Winkelbauer (MIÖG, Ergänzungsband 62), Wien 2019.
- Entwicklung des Eingabetools für die Datenneuaufnahme
- Beginn der Datenneuaufnahme
- Extraktion und Aufbereitung weiterer Personendaten wie Wohnorte, Quellenzitate, Verwandtschaftsverhältnisse etc. aus den Datensätzen und Import derselben in die APIS-Entitäten Places, Persons, Works, Labels.
Projektjahr (10/22 – 03/23)
- Entwicklung eines Tools zur Deduplizierung und zum Merging für die Leopold-Daten
- Deduplizierung von 23.129 Personen der Leopold-Daten auf 10.856 Personen
- Entwicklung des Frontends (Mockups, etc.)
- Verlinkung eines Personensamples mit LOD-Ressourcen wie GND, GeoNames, Wikidata, Kaiser & Höfe (München)
- Erstellung des VieCPro-Leitfadens zur Benutzung
- Fortsetzung der Datenneuaufnahme
- Beginn der zweiten und finalen manuellen Nachkorrektur der Leopold-Daten und Access-Daten
03/2023 Ende des ÖAW-Innovationsfonds-Projektes The Viennese Court. A Prosopographical Portal (VieCPro), Leitung: Marion Romberg
Projektjahr (04/23 – 06/24)
- Entwicklung eines Tools zur Erfassung der im HZAB-Blatt dokumentierten Hofzahlungen
- Implementierung des Funktionsregisters
- Entwicklung von Visualisierung (Hierarchisierung, Netzwerk, Karten)
- Import des TM-TBP-Blatts des Leopold-Datensatzes (inkl. manuelle Korrektur)
- Fortsetzung der zweiten und finalen manuellen Nachkorrektur der Leopolddaten
- Fortsetzung der Datenneuaufnahme
06/2024 Ende des FWF-Projektes Der Wiener Hof um 1800: Eliten, Herrschaft und Repräsentation (1790–1835), Leitung: Katrin Keller
