Forschungsinfrastruktur
Das APIS-Modell basiert auf vier verschiedenen Entitäten (Personen, Orte, Institutionen, Ereignisse), Beziehungen zwischen diesen Entitäten, Vokabularien für die Eingabe von Beziehungen und Entitäten, Volltexten sowie Annotationen zu diesen Volltexten. Die Datensätze aus den Leopold- und Access-Daten entsprechen strukturell diesen Entitäten. Es bestand also eine grundsätzliche Kompatibilität der beiden Datenbankmodelle. In mehreren Iterationen wurden Änderungswünsche gesammelt und der Code wurde weiter verbessert. Dank der ACDH-CH-internen Backup-Strategie und der Konzeption des APIS-Systems wurde produktives Arbeiten bereits in dieser Testphase möglich und die Datenintegrität trotz Codeänderungen gewährleistet. Nachdem das Datenmodell für stabil erklärt wurde, wurde ein Mapping des internen Datenmodells auf eine weiter verbreitete Ontologie (geplant: CIDOC CRM oder eine Ableitung) erstellt. Sowohl die Abbildung auf eine weit verbreitete Ontologie als auch die Archivierung des endgültigen Datensatzes in ARCHE, der auch mit SPARQL durchsucht werden kann, garantieren die bestmögliche Wiederverwendbarkeit des Datensatzes. Dieser Rohdatensatz ist für die wissenschaftliche Weiterverwendung von besonderem Interesse.
Das System bietet einen dezentralen Zugang zu den Daten über das Webinterface, eine genaue Definition der Berechtigungen jedes Nutzers/jeder Nutzerin, die Integration bestehender LOD-Ressourcen (wie GND, VIAF, wikidata und HistoGIS) und die einfache Wiederverwendung bestehender Metadaten aus diesen Ressourcen. Alle Änderungen an den Daten wurden versioniert, sodass ein früherer Zustand der Datenbank jederzeit wiederhergestellt werden kann. Für den programmatischen Zugriff wurde eine dokumentierte RESTful API bereitgestellt. Damit ist eine Verknüpfung der Daten auch in einer späteren Arbeitsphase möglich.
Entität: Person
Die Entität „Person“ enthält zum einen Personen in direkter beruflicher Zugehörigkeit zu den obersten Hofämtern am Wiener Hof, zum anderen reicht der Personenstand – vor allem für die Zeit von Kaiser Leopold I. (1657–1705) – bis in die Organisationsstruktur des weitläufigen Verwaltungswesens, Finanzwesens, Gesandtschaftswesens, Kriegswesens und des Kulturbereiches der Habsburgermonarchie bzw. des Alten Reiches hinein. Es werden für jede Person – sofern bekannt – Funktion, familiärer Kreis, Hofzugehörigkeit, Gehalt, Ämter, Wohnorte etc. ausgegeben. Durch die Dokumentation von Funktionsinhabern beiderlei Geschlechts, verschiedener sozialer Schichten – vom Kammerweib bis zum Obersthofmarschall, vom Kanzlist bis zum Hofkriegsratspräsidenten – wie auch unterschiedlicher lokaler und (inter-)nationaler Herkunft wird das Verständnis des Wiener Hofes als „multifunktionaler Konzentrationspunkt“ (Scheutz / Wührer 2007, 15f.) und der Beitrag des Wiener Hofes zur Integration der werdenden Habsburgermonarchie verdeutlicht.
➔ Weitere ausführliche Informationen finden sich im VieCPro-Leitfaden zur Benutzung im VieCPro-Downloadbereich Materialien.
Entität: Institution und Hofstaat
Die Entität „Hofstaat“ listet 128 Hofstaate vom 17. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Neben dem Haupthofstaat des Kaisers wird in VieCPro das Hofpersonal beginnend vom Hofstaat der Jungen Herrschaft, der sog. Kinderstube für die jungen Erzherzöge und Erzherzoginnen, bis zu den Hofstaaten der kaiserlichen Gemahlin, Geschwister und der Kaiserinwitwe erfasst. Bedingung ist, dass die Inhaber:innen aller Teilhofstaate in verwandtschaftlichem Bezug zum Kaiser oder in einem Eheverhältnis zu einem Familienmitglied stehen sowie in Wien residieren. Der Vollständigkeitsgrad des dokumentierten Hofpersonal variiert je nach Erfassungsstand.
Jeder Hofstaat ist einer der sechs Kategorien – Kaiser, Kaiserin, Kaiserinwitwe, Erzherzog:in, Junge Herrschaft oder Sonstiger Hofstaat – zugeordnet und ausgehend vom Haupthofstaat des Kaisers hierarchisiert. Das jeweilige Hofstaatskürzel, das sich aus den Anfangsbuchstaben des/r Vornamens/n ergibt, dient der Differenzierung der einzelnen Hofstaatsinhaber:innen und Identifizierung der ihnen zugeordneten Institutionen. Diesem Kürzel wird bei einigen Familienmitgliedern ein Rangkürzel – Kaiser, Kaiserin, Kaiserinwitwe, Erzherzog/in – beigefügt, wobei das Rangkürzel Erzherzog:in (Ehzg./Ehzgin.) nur bei Thronfolger:innen explizit zur Unterscheidung der erzherzöglichen vom kaiserlichen Hofstaat angefügt wird. Eine Liste aller Akronyme findet sich im VieCPro-Downloadbereich Materialien.
VieCPro enthält mehr als 700 Institutionen, wovon circa ein Viertel Hofämter und Hofgruppen zwischen dem 17. und beginnenden 19. Jahrhundert ausmachen. Der Rest sind Institutionen der Reichsebene, der habsburgischen Länder, verschiedener Städte sowie der lokalen Ebene, vor allem während der leopoldinischen Zeit.
Die Institutionen werden ausgehend von der prinzipiellen Unterscheidung der beiden Hauptkategorien Amt/Behörde/Verband (kurz Institution) und der zu einer besseren Datenstrukturierung vom Projektteam eingeführter Gruppe mehreren Unterkategorien zugeordnet. Diese reichen vom Bauwesen über das Gesandtschaftswesen bis hin zum Versorgungswesen. Eine Mehrfachzuordnung einer Institution oder einer Gruppe zu einer der zehn Unterkategorien ist möglich. Eine Liste aller Kategorien findet sich im VieCPro-Downloadbereich Materialien.
Die in dieser Datenbank angelegte Hierarchisierung von Institutionen und Hofstaaten kann aufgrund der Natur schematischer Darstellungen die Feinheiten institutioneller Organisationsstrukturen allzu oft nur unzulänglich abbilden. Zuständigkeiten von und Abhängigkeiten zwischen Ämtern oder Institutionen konnten auch zeitgenössisch nicht immer eindeutig und nachhaltig geklärt werden.
➔ Weitere ausführliche Informationen finden sich im VieCPro-Leitfaden zur Benutzung im VieCPro-Downloadbereich Materialien.
Entität: Orte
VieCPro enthält 2493 Orte, deren Zahl durch die Datenneuerhebung weiterwachsen wird. Mehr als ein Drittel dieser Orte sind Wohnadressen, die hauptsächlich die Leopold-Daten (Häuser- und Schildnamen) sowie die Daten der Neuerhebung (Straßennamen/Vorstadtnamen + Konskriptionsnummern) betreffen und ausschließlich in der Stadt Wien, ihren Vorstädten und Vororten liegen. Die restlichen zwei Drittel verteilen sich auf unterschiedliche Ortstypen, die eine Hierarchisierung der Orte zueinander ermöglichen, ausgehend von der größtmöglichen historischen politischen Entität (wie z. B. dem Heiligen Römischen Reich) über darin integrierte Territorien bis hin zur Stadt Wien, einer einzelnen Straße und einem darin befindlichen Haus.
Ein Teil der Wohnadressen aus den Leopold-Daten wurde unter Zuhilfenahme zeitgenössischer Stadtpläne, des WienGeschichteWiki sowie des mehrbändigen Werkes von Paul Harrer-Lucienfeld, Wien – seine Häuser, Menschen und Kultur (Manuskript), Wien 1951-1958, eindeutig identifiziert und georeferenziert. Städte und Orte wurden zusätzlich über die geographische Ortsdatenbank geonames.org mit Längen- und Breitengraden versehen. Einzelne Orte, insbesondere Wohnhäuser aus der leopoldinischen Zeit, wurden mit den entsprechenden Belegen zu den Einträgen im WienGeschichteWiki und Harrer-Lucienfeld versehen.
Geburts- und Sterbeorte sowie Wirkungs- oder Tätigkeitsorte werden nicht in der Ortsentität selbst ausgedrückt, sondern in der Relation, die Personen mit Orten verbindet. Darunter fallen Relationen wie „ist geboren in“ ebenso wie ungenaue Angaben zur Wohnadresse, die zum Beispiel in der Relation „wohnte neben“ oder „wohnte gegenüber von“ dargestellt werden.
Entität: Ereignisse
coming soon
Entität: Zahlungen
coming soon
